KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Backing Vocals

Thomas Schmahl

© Thomas Schmahl, Courtesy Thomas Schmahl

In der Filmproduktion beschreibt Montage die Bearbeitung und Strukturierung des aufgenommenen Bild- und Tonmaterials, um dem fertigen Film seine endgültige Form zu geben und ein immersives Spektakel zu erzeugen. Einzelne Bilder und unterschiedliche Tonschichten werden miteinander verschmolzen und in eine bestimmte Reihenfolge gebracht, um den Eindruck zeitlicher und narrativer Kontinuität zu schaffen. Dieses Schnittprinzip lässt sich auch auf die industrielle Produktion, Musik, Comics und – im weitesten Sinne – auf die Art und Weise anwenden, wie wir die Kontinuität unserer Handlungen im Laufe des Tages steuern, wie wir verschiedene Informationen verarbeiten und zusammensetzen, um Umrisse und Systeme zu definieren.

In seiner Ausstellung Backing Vocals im Künstlerhaus Bethanien macht Thomas Schmahl (*1994 in Annecy, Frankreich) diese Schritte rückgängig: Er zerlegt filmische Szenerien in ihre Einzelteile, ordnet sie im Koordinatensystem klassischer Kunstgattungen neu an und bricht dadurch mit Mechanismen erzählerischer Kontinuität. Wir sehen Storyboards, die mögliche Szenen für einen entstehenden Film definieren. In unendlichen Wiederholungsschleifen zirkulierend, gibt es in diesen Darstellungen kein eindeutiges Vor- oder Nachher, nur einen Augenblick. Wie bei einer Geschichte, die wir mittendrin aufgreifen, befinden sich alle Ausstellungsstücke in gewisser Weise gleichzeitig innerhalb und außerhalb einer möglichen Szene. Die Straße, die Landschaft, die Radioklänge, ein Hunderudel: all diese Bruchstücke einer Handlung sind immer in Bewegung, bilden ein Universum zahlreicher Wahrscheinlichkeiten, rütteln an unserer Alltagswahrnehmung und verkomplizieren das Ursache-Wirkung-Prinzip auf humorvolle Weise.

Thomas Schmahl ist Stipendiat des Residenzprogramms AZ – ALLER & ZURÜCK, organisiert durch das Goethe-Institut Nancy und das Goethe-Institut Strasbourg / Bureau des arts plastiques des Institut Français Deutschland. Mit freundlicher Unterstützung durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die DRAC Grand Est und das Centre Français de Berlin.

AUSSTELLUNG
30.09. – 23.10.2022
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

ERÖFFNUNG
29.09.2022
19 Uhr

KÜNSTLERPORTRAIT