 Im Rahmen ihrer bisherigen künstlerischen Arbeit beschäftigte sich Aleksandra Domanovic vor allem mit den Verbreitungswegen und der Rezeption von Bildern und Informationen und untersuchte, wie sich deren Couleur und Bedeutung in verschiedenen Kontextformen und vor dem Hintergrund unterschiedlicher historischer Gegebenheiten verändert. In ihren Werken kreierte Domanovic befremdlich anmutende Ordnungssysteme und Assoziationsketten und legte die geopolitische Bedeutung von Webdomains offen. Neuerdings gilt ihr Hauptinteresse der facettenreichen Art und Weise, in der Bildkultur und Informationsströme die Nachkriegslandschaft des ehemaligen Jugoslawien beeinflusst haben.
Ihre neusten Arbeiten sind eng mit ihrer eigenen Biografie verknüpft und setzen vielerlei Kindheitserinnerungen der Künstlerin mit den politischen Ereignissen der damaligen Zeit in Beziehung oder fokussieren ganz direkt auf die speziellen Verbindungen, die Jugoslawien stets mit den Staaten der arabischen Welt unterhielt und beleuchten die damit einhergehenden, gegenseitigen kulturellen Durchdringungen im Lichte der sich im Maghreb und Nahen Osten gegenwärtig vollziehenden ideologischen und politischen Veränderungen: so hat sich Domanovic beispielsweise eines der typischen, im ehemaligen Jugoslawien omnipräsenten antifaschistischen Monumente angeeignet und präsentiert nun im Künstlerhaus Bethanien eine aktuelle Interpretation: vier hochgereckte, abstrahierte Fäuste in Form eines Reliefs, deren Oberfläche sie mit Tadelakt überzieht, einer traditionellen, vor allem im marokkanischen Marrakech beheimateten und bewahrten Methode zur Oberflächenversiegelung von Stein und Keramik.
Aleksandra Domanovic ist Teilnehmerin des Internationalen Atelierprogramms. http://www.aleksandradomanovic.com
Aleksandra Domanovic
20. Januar - 12. Februar 2012
Di - So, 14 - 19 Uhr
Eröffnung + OPEN STUDIOS: Donnerstag, 19. Januar 2012, 19 - 22 Uhr |
 Ayoung Kim zeigt im Künstlerhaus Bethanien die Zweikanal-Videoprojektion "PH Express: Over Tranquil Waters", um die sich eine Auswahl von weiteren Print- und installativen Arbeiten gruppiert. Es ist ein in der Manier eines Theaterstücks aufgebauter, ins Satirische tendierender Exkurs in die Geschichte der Kolonialmacht Großbritannien und deren Präsenz in Korea in den 1880er Jahren. Die Handlung reflektiert tatsächliche historische Ereignisse: im Rahmen der fieberhaften Bestrebungen der Briten, ihren Einflussbereich im Pazifikraum auszubauen, um einer russischen Dominanz zuvor zu kommen, erfolgte die Besetzung und Befestigung des kleinen koreanischen Pazifikhafens Port Hamilton. Kim zeigt in ihrer Videoarbeit auf, welche Welle politischer Diskussionen um Allianzen und hektischer diplomatischer Aktivitäten in ganz Europa dies zur Folge hatte - während die britische Garnison in Port Hamilton fernab des politischen Geschehens in einer Art Exil und unendlicher Langeweile verharrte. Indem Kim ihrem Skript ausschließlich authentisches historisches Material zugrunde legt und die Charaktere aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und an verschiedenen Orten die Ereignisse diskutieren lässt, zeigt sie auf, wie welche Nachrichtenmedien in der damaligen Zeit funktionierten und wie z.B. ein Butterfly-Effekt entsteht. Das Werk ist aber auch als metaphorischer Kommentar zu Nachrichtenmedien im allgemeinen wie auch als Vorschlag für neue Lesarten von Information im Grenzbereich zwischen Fakt und Fiktion zu verstehen.
Ayoung Kim ist Stipendiatin des Arts Council Korea, Seoul im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms.
Ayoung Kim - "PH Express"
20. Januar - 12. Februar 2012
Di - So, 14 - 19 Uhr
Eröffnung + OPEN STUDIOS: Donnerstag, 19. Januar 2012, 19 - 22 Uhr
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 Maryam Najd zeigt in ihrer Ausstellung "Happy New Year my love" neue Arbeiten, die ihr fortgesetztes Interesse an der Beobachtung einer chaotischen Welt im Wandel dokumentieren, die fast manisch auf die Wahrung von Grenzen bedacht und doch davon besessen ist, diese zu überwinden. In diesem Sinne ist Maryam Najds "Non Existence Flag Project" die Visualisierung und Neuinterpretation eines nostalgischen, überkommenen Systems von (Hoheits)-Zeichen, die Nationalismen außen vor lässt und eine harmonische, grenzenlose Einheit in der Kunst erschaffen will. Für ihre "Flags" berechnete Najd die prozentualen Anteile der Farben in den Staatsflaggen der Welt, mischte dem entsprechend eine Palette von Farben und erschuf mit diesen ein monochromes Gemälde pro Land. So entstand eine ästhetisch ansprechende Serie von Gemälden, die zu einer neuen Sicht auf Symbole einlädt. Najds neustes Gemälde "Happy New Year my love" vereint die floralen Symbole - Blumen oder Blätter -, die wie die Nationalflagge einem jeweiligen Land zugeordnet sind, zu einem fröhlichen, farbenprächtigen Bouquet: eine augenzwinkernde Reverenz auch an den niederländischen Meister Jan Breughel. Charakteristisch ist für viele Arbeiten Najds aber auch die Maskierung figürlicher Darstellungen mithilfe einer dünnen weißen Farbschicht, die sich wie eine Art Schleier halb verhüllend über das sofort Erkennbare legt.
Maryam Najd ist als Stipendiatin der Flämischen Regierung, Brüssel im Künstlerhaus Bethanien zu Gast. http://www.maryamnajd.com
Maryam Najd - "Happy New Year my love"
20. Januar - 12. Februar 2012
Di - So, 14 - 19 Uhr
Eröffnung + OPEN STUDIOS: Donnerstag, 19. Januar 2012, 19 - 22 Uhr |
 "Intermezzo Oper" ist der erste Teil einer Werk-Trilogie von Rosas Project, einer Art nomadischem Ensemble, das die Künstlerin Marinella Senatore 2011 gegründet hat. Es vereint Profis und Laien aus den Bereichen Tanz, Musik, Schriftstellerei, Theater usw. und bietet ihnen eine dauerhafte Plattform zur Zusammenarbeit. "Intermezzo Oper" ist eine neuartige, in der Tradition des Melodrams stehende Oper, die als Gemeinschaftsarbeit unter Beteiligung von über 240 Berlinern entstand, darunter z.B. das Betriebsorchester der BVG, Opernsänger, Rentner, Studenten, Kosmetik- und Friseurschulen, Schauspieler, Choreographen u.a.m.
Marinella Senatore involviert stets ganze Gemeinschaften in den andauernden kreativen Prozess, den sie anstößt und hat bereits mit so unterschiedlichen sozialen Gruppen wie sizilianischen Minenarbeitern im Ruhestand oder einer Gruppe von Rappern aus Harlem zusammengearbeitet. Der Betrachter wird in ihren Projekten zum Teilnehmer, die Hierarchie zwischen der Künstlerin als Autorin und dem Publikum als Rezipienten wird in Frage gestellt. Das Publikum wird so zum Co-Autor, Schauspieler, Bühnenbildner, Kamerateam, Regisseur usw. Indem persönliche Erlebnisse mit kollektiven Prozessen, Fakten mit Fiktion, Geschichte und Chronik in Verbindung gebracht werden, befördert Senatores Projekt die Entstehung eines Archivs der kollektiven Erzählungen, die eine neue Form von Gemeinschaftssinn entstehen lassen.
Marinella Senatore ist Teilnehmerin des Internationalen Atelierprogramms.
Marinella Senatore - "Intermezzo Oper"
20. Januar - 12. Februar 2012
Di - So, 14 - 19 Uhr
Eröffnung + OPEN STUDIOS: Donnerstag, 19. Januar 2012, 19 - 22 Uhr |
 Guido van der Werves künstlerisches Werk besteht aus Filmen und Videos von Performances und Aktionen, zu denen der Künstler, der auch über eine Ausbildung als Musiker verfügt, häufig selbst spezielle Soundtracks komponiert. Van der Werves Arbeiten greifen vielfältige kulturelle Topoi auf, deren Funktion als Zugänge zur Welt- und Selbsterfahrung der Künstler jedoch stets feinsinnig hinterfragt. Seine Filme, sind gekennzeichnet durch den performativen Einsatz des Künstlers, der stets als Protagonist in seinen Arbeiten erscheint und sich dabei häufig größten körperlichen Strapazen und Gefahren aussetzt, wie etwa im Videofilm "Number 8: Everything is going to be alright", in dem er nur wenige Meter vor einem riesigen Eisbrecher über das zugefrorene finnische Meer schreitet, oder wenn er von einer New Yorker Galerie aus einen 28 Meilen-Marathon zum Grab des Komponisten Rachmaninov absolviert, um dort einen Strauß Kamillenblüten niederzulegen. Es sind dies filmische Kompositionen, die lyrische und musikalische Elemente mit einbeziehen und den Betrachter mit ihren ebenso wundervollen wie melancholischen Bildern tief berühren.
Die Ausstellung Emotional Poverty zeigt eine Auswahl neuer Arbeiten van der Werves, darunter die Dokumentation der Besteigung des Aconcagua durch den Künstler sowie "Effugio C, You're always just half a day a way", ein 12-Stunden HD-Video, das van der Werve dabei zeigt, wie er ohne Unterbrechung zwölf Stunden lang in Laufbekleidung sein Haus im finnischen Hassi umrundet.
Guido van der Werve ist Stipendiat des Mondriaan Fonds (vormals Fonds voor beeldende kunsten, vormgeving en bouwkunst), Amsterdam. http://www.roofvogel.org
Guido van der Werve - "Emotional Poverty"
20. Januar - 12. Februar 2012
Di - So, 14 - 19 Uhr
Eröffnung + OPEN STUDIOS: Donnerstag, 19. Januar 2012, 19 - 22 Uhr |
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