Falkenrot Preis 2012: Slawomir Elsner | + |
 Der 2005 ins Leben gerufene FALKENROT PREIS zeichnet KünstlerInnen im In- und Ausland aus, deren Arbeit dazu angetan ist, neue Maßstäbe in der zeitgenössischen Malerei und deren Grenzbereichen zu setzen. Wie auch in den Vorjahren präsentiert das Künstlerhaus Bethanien das Werk des jeweiligen Preisträgers im Rahmen einer umfangreichen Einzelausstellung.
Diesjähriger Preisträger ist der Berliner Künstler SLAWOMIR ELSNER.
Elsner bedient sich häufig fotografischer Vorlagen – so nutzt er z.B. Bilder aus Zeitschriften oder auch selbst aufgenommene Fotos – und verfremdet sie so, dass zumeist nicht mehr erkennbar ist, woher die Bilder stammen. Indem Elsner die Fotos in Zeichnungen überführt und auch fotografische Unschärfen bewusst kopiert, nimmt er ihnen das Dokumentarische: auf diese Weise entsteht ein Blick auf Menschen, Situationen oder Gegenstände, der den Betrachter zu irritieren vermag. Elsner arbeitet sowohl mit Farbe als auch mit dem Zeichenstift. Seine Bilder sind fein ausgearbeitet und vielschichtig; oft ist erst bei eingehender Betrachtung aus der Nähe zu erkennen, dass es sich dabei nicht um Drucke handelt. Ein alltäglicher Gegenstand oder ein Gesicht verändern sich durch die Kunst von Elsner, die abgebildeten Menschen werden zu Schemen, wirken sich selbst entfremdet. Das Dargestellte gewinnt eine verunsichernde Ambivalenz. Erklärtes Ziel dieser künstlerischen Praxis ist es, "offen zu legen, in welchem Maße Bilder die Wirklichkeit deformieren und zu völlig unabhängigen visuellen Tatsachen werden." (S. Elsner).
Falkenrot Preis 2012:
Slawomir Elsner – "Farbstiftzeichnungen"
25. Mai – 17. Juni 2012
Di – So, 14 – 19 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. Mai 2012, 19 – 22 Uhr |
 ASSAF GRUBERs künstlerische Praxis, die unterschiedliche Medien vereint, ist gleichermaßen gestisch und performativ. Seine Werke entziehen sich einfacher Kategorisierung und sind wohl am treffendsten als "allegorische Raumanordnungen" zu bezeichnen – stets aber sind sie Ausdruck der Bemühungen des Künstlers, einerseits die Grenzen von Skulptur zu überwinden und andererseits die ungeschriebenen Regeln menschlicher Verhaltensweisen anhand von "skulpturalen Gesten" zu entziffern.
Ausgangspunkt für Grubers Ausstellung im Künstlerhaus war die seit 2004 andauernde Werkserie "Studies in Sculpture", eine Reihe von inzwischen 30 Videos, die auf Basis von Filmmaterial bekannter Kinofilme vor allem aus den 1980er Jahren entstanden, in denen Gruber "skulpturale Gesten" der jeweiligen Protagonisten festgehalten hat. Diese machten nun einer Reihe völlig anderer Werke Platz, um in Form eines aufwändig gestalteten KÜNSTLERBUCHS zum Teil der Ausstellung zu werden.
In Grubers künstlerischer Arbeit funktioniert die Beziehung zwischen dem Vorgefundenen und dem "Hergestellten" analog zu der zwischen Sehen und Berühren, ganz im Sinne der von J. G. Herder formulierten Prämisse, dass der durch das Auge gesehene Körper eine bloße Oberfläche bleibe, während (erst) der von der Hand berührte Körper als Körper fassbar werde.
Grubers Werke widersprechen der herkömmlichen Definition des Objekthaften, da sie durch Nichtfunktionalität gekennzeichnet sind und vorgefertigte Erwartungen des Betrachters enttäuschen. Stattdessen erzählen sie mit poetischem Gestus und leiser Melancholie von der Absurdität, die letztendlich allen menschlichen Bemühungen innewohnt.
Assaf Gruber ist Stipendiat der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms. http://www.assafgruber.com
Assaf Gruber – "THAT WOULD BE TELLING"
25. Mai – 17. Juni 2012
Di – So, 14 – 19 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 24. Mai 2012, 19 – 22 Uhr |
POTENZIAL.BERLIN(?) | Podiumsdiskussion | + |
Seit dem Fall der Mauer hat sich Berlin zu einem der wichtigsten Produktionsorte für zeitgenössische Kunst entwickelt, der viele KünstlerInnen aus dem In- und Ausland anzieht und zu ihrem Lebens- und Arbeitsplatz wurde. Sie sind mitverantwortlich für das viel gepriesene „hohe Potenzial“ – einer also noch nicht ausgeschöpften Möglichkeit – des Berliner Kunstgeschehens.
Mit der Ausstellung BERLIN.STATUS (1) präsentiert das Künstlerhaus Bethanien derzeit 52 KünstlerInnen unter 40 Jahren, die an der Notwendigkeit einer großen Mobilisierungsbewegung zweifeln und deshalb intellektuell und ästhetisch an der Profilierung bzw. Zuspitzung ihrer Ich-Perspektive arbeiten.
Ihre künstlerischen Positionen, das Phänomen Berlin, seine Etikettierung und die Frage nach der Zukunft der Kunst in Berlin beleuchten in einer PODIUMSDISKUSSION:
Gregor Hildebrandt
Stine Marie Jacobsen
Philip Topolovac
Ralf Ziervogel
Moderation: Sabine Kienzer
POTENZIAL.BERLIN (?)
Mittwoch, 25. April 2012, 19 Uhr
Schauraum Kottbusser Str. 10
Eintritt frei
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 BERLIN.STATUS (1) beschäftigt sich ausgehend von der Feststellung, Berlin sei heute "eine Kunststadt ohne Konsens" mit dem Metropolenphänomen der Kunst. Die Ausstellung stellt KünstlerInnen vor, die an der Notwendigkeit einer großen Mobilisierungsbewegung zweifeln und deshalb intellektuell und ästhetisch an der Profilierung bzw. Zuspitzung ihrer Ich-Perspektive arbeiten. Obwohl sie ihren Lebensmittelpunkt dezidiert und dauerhaft nach Berlin verlagert haben, ist nicht "das Berlinische" der Nährboden für Außergewöhnliches, sondern individuelles Vermögen, das in jedem herausragenden Künstler steckt. Für BERLIN.STATUS (1) wurden deshalb bekannte ebenso wie weniger bekannte KünstlerInnen ausgewählt: ihnen allen ist eigen, dass sie Laborpraktiker sind – pur und eigen.
Die Kuratoren der Ausstellung interessieren sich konzeptionell vor allem für den Zweifel, der in nahezu jeder aktuellen Strömung existiert: "Es gibt irgendwo immer ein 'gallisches Dorf'. Danach fahnden wir und zeigen Nuancen der Veränderung durch Distanzierung, also die Signale vor dem Umbruch, keine Trends. Das Gegensatzpaar 'Newcomer' vs. 'Etablierte' ignorieren wir, weil der Markt gefräßig ist und letztendlich alles verwurstet, man aber von Zeit zu Zeit über neue Bewirtungsformen nachdenken sollte." (Sven Drühl & Christoph Tannert).
Mit Werken von:
Gabriel Acevedo Velarde, Silva Agostini, Angelika Arendt, Dafni Barbageorgopoulou, Madeleine Boschan, Jessica Buhlmann, Hannah Dougherty, Zhivago Duncan, Wiebke Elzel / Jana Müller, Hadassah Emmerich, Lu Feng, Shannon Finley, Wolfgang Flad, Torben Giehler, Andrew Gilbert, Ane Graff, Stella Hamberg, Secundino Hernández, Gregor Hildebrandt, Nico Huch, Klaus Jörres, Sven Johne, Jan Koch, Astrid Köppe, Alicja Kwade, Alon Levin, Eoin Llewellyn, Alexej Meschtschanow, Daniel Mohr, Jan Muche,Regine Müller-Waldeck, Xuan Huy Nguyen, Catalina Pabón, Katinka Pilscheur, Bernd Ribbeck, Tanja Rochelmeyer, Egill Sæbjörnsson, Michael Sailstorfer, Adam Saks, Ariel Schlesinger, Judith Schwinn, Martin Skauen, Emmy Skensved, Kei Takemura, Alex Tennigkeit, Philip Topolovac, Luca Trevisani, Nasan Tur, Elmar Vestner, Ulrich Vogl, Jorinde Voigt, Ralf Ziervogel
Mit freundlicher Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten
BERLIN.STATUS (1)
13. April – 6. Mai 2012
Di – So, 14 – 19 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 12. April 2012, 19 – 22 Uhr |
 Stine Marie Jacobsen arbeitet mit Video, Performance und Text. Zentrale Themen in ihren Projekten sind Kino und Film, Gender-Archetypen, Anonymität, Tod und Gewalt sowie deren Darstellung und Vermittlung im Film.
In "Direct Approach" interagiert Jacobsen wie in vielen ihrer Projekte mit unterschiedlichsten Menschen aus verschiedenen Lebens- und Tätigkeitsbereichen. In Berlin suchte sie mit ihren Mitmenschen das Gespräch über das Thema der Gewalt und initiierte mit interessierten Teilnehmern einen Dialog über deren individuelle Wahrnehmung von Gewalt. Hierfür ließ sie die Teilnehmenden zunächst persönliche Erinnerungen an eine bestimmte Filmszene, die sie als besonders gewaltsam oder traumatisierend empfunden hatten, nacherzählen. Jacobsen inszenierte die fraglichen Filmszenen dann gemäß der subjektiven Beschreibungen neu und ließ die Befragten darin anstelle der Schauspieler agieren: Opfer, Zeuge, Gewalttäter – jedem Teilnehmer war es überlassen, welchen der Charaktere er oder sie verkörpern wollte.
Die Ausstellung "Direct Approach" präsentiert im wöchentlichen Wechsel insgesamt drei der so entstandenen Videoporträts, die jeweils in Form einer Projektion gezeigt werden. Eine Auswahl weiterer filmischer Szenenbeschreibungen hat die Künstlerin im Raum nebenan in Form von Textplakaten arrangiert.
Die vollständigen Berichte aller von Jacobsen befragten Projektteilnehmer werden Anfang 2013 in einem Buch veröffentlicht, das gleichzeitig den Schlusspunkt für das Langzeitprojekt "Direct Approach" markiert .
Stine Marie Jacobsen ist Stipendiatin des Danish Arts Council, Kopenhagen im Rahmen des Internationalen Atelierprogramms. http://www.stinemariejacobsen.com
Stine Marie Jacobsen – "Direct Approach"
13. April – 6. Mai 2012
Di – So, 14 – 19 Uhr
Eröffnung: Donnerstag, 12. April 2012, 19 – 22 Uhr |
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