KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Santiago Mostyn

Santiago Mostyn, Ghost/Monument (Detail), 2021, zwei archivtaugliche Tintendrucke in doppelseitigem Eichenholzrahmen. Courtesy the artist und Andréhn-Schiptjenko Stockholm / Paris

Beim Betreten der Ausstellung von Santiago Mostyn im Künstlerhaus Bethanien führt der Weg der Besucher*innen zunächst an einer Wandarbeit vorbei, die als „Rückseite“ der Hauptinstallation konzipiert ist. Die Wand ist mit Kopien von Seiten aus dem JET Magazine bedeckt, ergänzt durch die fotografische Arbeit Ghost/Monument (2020). Das Bild Ghost entdeckte der Künstler bei der Entwicklung von Negativen mit Aufnahmen aus Hoyerswerda (dessen Geschichte bis heute durch die fremdenfeindlichen Ausschreitungen vor 30 Jahren geprägt ist). Monument zeigt die Rückansicht einer Skulptur, die einst vor dem Schwedischen Nationalmuseum in Stockholm stand.

Die Bewegungen von Körpern im Raum sind zentral für die Lesart der beiden Videoarbeiten an gegenüberliegenden Wänden zu sehen sind. How Important is Speed in a Revolution? und Walker Association stammen aus seinem visuellen Forschungsprojekt, das die Präsenz des Schwarzen, männlichen Körpers in bestimmten politischen Umgebungen untersucht. How Important is Speed in a Revolution? besteht aus Fernsehmaterial der Amtseinführung des 45. US-Präsidenten, wobei die Reden und militärischen Performances herausgeschnitten wurden. Walker Association dokumentiert die Interaktionen des Künstlers mit Männern karibischer Herkunft, die im Prospect Park in Brooklyn cruisen. Die Arbeiten sind durch eine Bodeninstallation aus rotem Pigmentpulver getrennt, die visuell als roter Teppich verstanden werden kann. Diese Installation verändert sich im Laufe der Ausstellung durch die Aufzeichnung der Spuren der Besucher*innen.

In einem weiteren Raum präsentiert Mostyn die Videoarbeit Altarpiece, die sich mit der Choreografie staatlicher Kontrolle und damit verbundenen Euphorie-Zuständen beschäftigt, die im Körper unter entsprechenden Bedingungen ausgelöst werden können. Die Arbeit kombiniert über vier Jahre gesammeltes Bild- und Tonmaterial von Präsidentschaftsfeiern in den USA und Simbabwe sowie „J’ouvert“-Festen mit einer Erzählung über den „Soucouyant“ (eine gestaltwandelnde Folklorefigur aus Trinidad), Aufnahmen eines schwitzenden Malcolm X, einem Interview mit einem rhodesischen Soldaten und Bildern vom ersten Sohn eines Kindheitsfreundes.

Santiago Mostyn (geb. 1981) lebt in Schweden, hält aber enge Verbindungen zu Simbabwe und Trinidad und Tobago, wo er aufgewachsen ist. Seine Arbeiten waren unter anderem im Rahmen der 12. Rencontres de Bamako (2019), im Institut Suédois in Paris (2019), auf der Göteborg International Biennial for Contemporary Art (2017), im Moderna Museet in Stockholm (2016) und auf der Performa 13 in New York (2013) zu sehen. 2018 war er Ko-Kurator der Ausstellung With the Future Behind Us im Moderna Museet. Santiago Mostyn ist Stipendiat des internationalen Programms IASPIS des Swedish Arts Grants Committee. Die Ausstellung wird freundlich unterstützt vom Berliner Senat für Kultur und Europa – Abteilung Kultur.

AUSSTELLUNG
11.06. – 11.07.2021
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

KÜNSTLERPORTRAIT
Santiago Mostyn