KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Ouassila Arras

UNDER LINE

Ouassila Arras, ciment on ciment, 2020. Courtesy The Left Place – The Right Space, Reims

Ouassila Arras hinterfragt in ihrer künstlerischen Arbeit Erinnerungskulturen, Biografien und Erzählstrukturen und beleuchtet Zugänge und Ausschlüsse in und aus der Gesellschaft. Zur Veranschaulichung nutzt sie natürliche Materialien, die uns im Alltag umgeben. In UNDER LINEzeigt sie eine sich während der Dauer der Ausstellung verändernde Bodeninstallation, die zum einen von der Infrastruktur in Berliner Straßen und zum anderen von ihrer Recherche in deutschen und französischen Schulbüchern für den Geschichtsunterricht inspiriert wurde. In Berlin hat sich die Künstlerin mit den Böden im Stadtraum auseinandergesetzt und herausgefunden, dass auf den Gehwegen neben Asphalt und Kopfsteinpflaster quadratische Kunststeinplatten verbaut wurden, die in der Stadtgeschichte, unscheinbar wie sie sind, kaum erwähnt werden. In ihrer Ausstellung werden diese zur Hauptfigur. In Form von Betonabgüssen befinden sie sich im Zentrum des Raums und animieren dazu, sie zu begehen. Sie sind überzogen mit einer Rostschicht, die, manipuliert von der Künstlerin, unterschiedliche Stadien von Transformation aufzeigt. Im Laufe der Ausstellung wird die Installation von den Besucher*innen durch das Betreten zunehmend fragmentiert werden.

Die Künstlerin arbeitet häufig mit Alltagsgegenständen und natürlichen Materialien, die aufgrund ihrer Wandlungsfähigkeit Leben in den Ausstellungsraum bringen und als Metaphern für Biografien gelesen werden können, die wenig Zutritt in den westlichen und europäischen Kanon bekommen oder durch den enormen Integrationsdruck in Gesellschaften weitestgehend verstummen. Dabei geht es ihr hauptsächlich um die unterschwelligen Informationen, die über Objekte ausgedrückt und von Menschen, wenn sie bestimmte Orte bewohnen, mittransportiert werden. Ouassila spürt den Fäden fragmentierter Lebensgeschichten nach, insbesondere von Menschen, deren Stimmen in Schulbüchern und Archiven fehlen.

Ouassila Arras (geb. 1993 in Frankreich) lebt und arbeitet in Reims. 2018 gewann sie den PRISME-Preis im Musée des Beaux-Arts de Reims. Zu ihren jüngsten Ausstellungen gehören Plein jeu #2, Frac Champagne-Ardenne (2019), Des Histoires d’eau, CAC of Tanneries (2020), A Spoonful Of Sugar,Fiminco Foundation, Romainville (2020), BREEZE #3,GBagency Gallery, Paris (2021), Artpress Contemporary Art Biennial, MAMC, Saint-Étienne. Sie ist Mitbegründerin des Artist-Run Space The Left Place – The Right Space, der 2020 in Reims eröffnet wurde. Ouassila Arras ist Stipendiatin des Residenzprogramms AZ – ALLER & ZURÜCK, organisiert durch das Goethe-Institut Nancy, das Goethe-Institut Straßburg und das Bureau des arts plastiques des Institut Français Deutschland. Freundlich unterstützt durch das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), die DRAC Grand Est und das Centre Français de Berlin.

 

AUSSTELLUNG
01.10. – 24.10.2021
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

KÜNSTLERPORTRAIT
Ouassila Arras