KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Mike Bourscheid

Sunny Side Up and other sorrowful stories

Mike Bourscheid, Agnès, Leony, Jean and Karl smoking, 2021, inkjet print. Foto: Tom Hsu. Courtesy the artist

In Sunny Side Up and other sorrowful stories inszeniert Mike Bourscheid Kostüme, Requisiten und seinen neuen Film Agnes zu einer begehbaren Rauminstallation. Wie oft in seiner künstlerischen Auseinandersetzung thematisiert er zwischenmenschliche Beziehungen. Ausgehend von Filmrequisiten und inspiriert durch Erlebnisse seiner Kindheit und das Verhältnis zu seiner alleinerziehenden Mutter sowie zu seinem abwesenden Vater entwickelte Bourscheid das Drehbuch. Agnes besteht aus filmischem Material, das aus dem Elternhaus des Künstlers stammt sowie aus Aufnahmen, die im Filmset im Künstlerhaus Bethanien gedreht wurden. Der Künstler selbst ist der Protagonist seines Films – durch seine Kostüme zwar eingeschränkt, aber zugleich auch mit neuen Fähigkeiten ausgestattet, wie zum Beispiel durch sein Hemd, auf dessen Rückenteil ein Ouija-Brett installiert ist, das durch ganz persönlich definierte Regeln als Kommunikationsgerät dienen kann, um etwa den verstorbenen Stiefvater zu erreichen.

Das tägliche Agieren des Körpers im Haushalt und die Performanz von Pflege im Allgemeinen, die Routine, die sich im wiederholten Wäschewaschen, Geschirrspülen, Ordnunghalten oder beim Bodenkehrenzeigt, wird spielerisch inszeniert. In seiner üblichen handwerklichen Sorgfalt produzierte Bourscheid weitere Requisiten, zum Beispiel Handschuhe und Socken, an die er Perücken knüpft:Hilfsmittel, die als höchst hinderlich für die Arbeit im Haushalt erscheinen und gleichzeitig die liebevolle, freilich oftmals absurde Hinwendung zu Alltagsobjekten und -riten künstlerisch kommentieren. Einzelne Passagen des Films, der durch eindrückliche ASMR-Sounds begleitet wird, erinnern an Inszenierungen in klassischen Horrorfilmen. Klischees über angeblich männlich und weiblich konnotierte Gerätschaften undTätigkeitsfelder werden visualisiert, aber nicht bewertet. Stattdessen sprechen sie für die vielen Identitäten, die sich in Gesellschaften herausbilden und sich verändern können.

Mike Bourscheid, geboren in Luxemburg, lebt und arbeitet in Vancouver. Er studierte an der Université d’Aix-Marseille und an der Universität der Künste in Berlin. Seine Einzelausstellung Idealverein ist noch bis zum 31.10.2021 im Heidelberger Kunstvereinzu sehen.Bourscheid vertrat Luxemburg auf der 57. Biennale in Venedig (2017). Er stellte im Haverford Centre Philadelphia (USA), im Kunstverein Braunschweig (Deutschland), in der Nanaimo Art Gallery (Kanada) und im Casino Luxembourg – Forum d’Art Contemporain aus. Mike Bourscheid ist Stipendiat des Kultusministeriums des Großherzogtums Luxemburg.

AUSSTELLUNG
01.10. – 24.10.2021
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

KÜNSTLERPORTRAIT
Mike Bourscheid