KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Krista Belle Stewart

Potato Gardens Band

Krista Belle Stewarts künstlerische Praxis ist untrennbar mit  ihrer Zugehörigkeit zur indigenen Syilx/ Okanagan-Nation verknüpft, deren Territorium sich bis heute in einer ursprünglichen Berg- und Seenlandschaft in British Columbia befindet. Sie arbeitet mit Video, mit dem Land ihrer Familie, mit Performance, Fotografie und Sound. Sie benutzt Archivmaterialien, um die Kluft zwischen persönlichen und politischen Erzählarten von Geschichte aufzuzeigen und deren Repräsentation im Rahmen des institutionellen Diskurses anhand ihrer eigenen Herkunft und Geschichte zu hinterfragen.
Im Ausstellungsraum finden sich zwei wandfüllende Neuversionen ihrer früheren Arbeit Eye Eye (2018), für die sie Kacheln aus dem Lehmboden ihrer Heimat brannte und in einem gitterartigen Muster auf die Wandfläche aufgebrachte. Nun nutzt sie den Pigment-Staub der zerstoßenen Kacheln, um auf der Wand quadratische ‚Portale’ zu erzeugen, durch die der Betrachter in das  Land ‚hineinsieht’, anstatt aus dem Fenster (ein Import der Kolonialisierung) darauf zu blicken. Wichtig ist für Stewart die iterative Darstellung, da Geschichte durch „multiple (re-)mediations“ begreifbar wird. Die Arbeit Potato Gardens Band, eine großformatige Videoprojektion, zeigt eine Aktion Stewarts auf dem Land ihrer Familie und wurde speziell für diese ausgerichtet: man hört den vor langer Zeit auf Wachszylindern aufgenommene Musik und den Gesang der Urgroßmutter Krista Belles; Stewart ‚befreite‘ die Wachszylinder aus der Sammlung des kanadischen Nationalmuseums, um die Musik ihrer Urgroßmutter auf dem Land ihrer Entstehung im Kreise der Familie erklingen zu lassen – fragmentiert durch die Laute der Natur, des Windes und die räumliche Distanz, die sie selbst dazu einnahm.
Stewart vermeidet so die Darstellung der Aufnahme als Teil der Syilx-Kultur. Sie wird zum Artefakt, eingebettet in ein Netz von Interventionen und technischer Mediation. So lenkt sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer von der Musik hin zu den Bedingungen ihrer Herstellung und Vermittlung, und vollführt eine Geste der „klanglichen Repatriierung“ (Candice Hopkins).

AUSSTELLUNG
11.04. – 05.05.2019
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

ERÖFFNUNG
11.04.2019
19 Uhr

KÜNSTLERPORTRAIT
Krista Belle Stewart

Krista Belle Stewart
ist Stipendiatin des
Sobey Art Award
Residencies Program