KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

GAËLLE CHOISNE

Temple of Love - To hide

Abbildung: Gaëlle Choisne, Lie close to our ancestors (detail), 2020–2022, 7 x 2 m, Courtesy Air de Paris

Die Ausstellung „Temple of love – To hide“, die im Künstlerhaus Bethanien präsentiert wird, ist eine neue Ausgabe von „Temple of love“ – einem Langzeitprojekt, das auf eine globale Wiedervereinigung der lebenden durch das Konzept der Liebe abzielt. Diese Ausstellung, frei inspiriert vom Kapitel „Verbergen“ aus Roland Barthes’ Fragmente einer „Sprache der Liebe“ (1977), orientiert sich konsequent an der Idee von Selbstheilung durch Erfahrungsaustausch, eine Verbundenheit mit den Vorfahren, dem Respekt vor dem historischen Erbe und innerer körperlicher Ausgeglichenheit.

Für den Film „Accumulation primitive“ (2019 – 2022) entstanden die ersten Aufnahmen 2017 – etwa ein Interview mit Madame Café, einer blinden, haitianischen Voodoo-Priesterin, deren Gabe, Kinder zu heilen, ihr den Titel „docteur-feuille“ (dt. etwa: „Ärztin der Blätter“) einbrachte. GAËLLE CHOISNE machte diese Aufnahmen zum Ausgangspunkt eines breiter angelegten Projekts von Interviews mit weiblichen und transfemininen Personen und befragte sie zu ihrer Situation als rassifizierte Frauen in der heutigen Gesellschaft. Zu diesen Personen gehören die Künstlerin und Produzentin Christelle Oyiri oder auch Choisnes Mutter, Marie-Carmen Brouard.

GAËLLE CHOISNE „Accumulation primitive“ ist eine ausgesprochen vielschichtige Porträtserie, inspiriert von Silvia Federicis Essay „Caliban und die Hexe“ (2017). Der Film zeigt eine Widerstandsbewegung von Frauen, die Fähigkeiten entwickelt haben, durch verschiedene Methoden und Techniken zu „heilen“: etwa durch Gründung von Gemeinschaften, in der Familienfürsorge, durch Musik, mit „alternativer“ Medizin… Diese Frauen erfinden „Nebenwege“ als Reaktion auf eine „primitive Akkumulation“ des Kapitals, wie Karl Marx sie in „Das Kapital“ (1867) analysiert hat. Eine der vielen Fremdeinwirkungen auf rassifizierte Menschen besteht in der Beraubung ihres Daseins und ihres freien Willens.

Das Langzeit-Videoprojekt „Accumulation primitive“ ist Teil einer umfassenderen Installation, in der sich das Werk in einem anderen spiegelt, das die Künstlerin als eine Art Doppelgänger betrachtet: „Primitive amnesia“ (2019-2022). Der Film mischt eine Auswahl von Found-Footage-Videos von Frauenprotesten in Frankreich, Brasilien oder auch Haiti mit Close-ups von Blumen, die die Künstlerin in der Normandie während des Lockdowns aufnahm.

Die Installation, die erstmals im Künstlerhaus Bethanien gezeigt wird, präsentiert sich als Safe space, in dem es um Selbstfürsorge und das Sorgen für andere geht. Besucher*innen sind eingeladen zu besonderen Getränken oder an einem energetischerenden Heilungsprozess teilzunehmen. Neben den beiden
Videoarbeiten, können sich Besucher*innen auf „Lie close to y our ancestors“ (2022) ausruhen – einem sehr großflächigen Teppich, der von Frauen in den marokkanischen Bergen gewebt wurde und den CHOISNE mit kleinen Porträts von inspirierenden Persönlichkeiten versehen hat. In einem anderen Raum ist die Videoarbeit „Ahuehuete 11111“ (2022) zu sehen. Sie zeigt einen zweitausend Jahre alten Baum, der in Santa Maria de Tule in Mexiko wächst und von einer unglaublichen energetischen und vibrierenden Kraft erfüllt ist.

Weitere Informationen über die Künstlerin finden Sie auf: www.bethanien.de oder www.gaellechoisne.com.

GAËLLE CHOISNE (Frankreich/ Haiti) ist derzeit Stipendiatin der KfW Stiftung im internationalen Atelierprogramm am Künstlerhaus Bethanien. Weitere Stipendiat*innen der KfW Stiftung im Internationalen Atelierprogramm 2022/2023 sind Daniel Lie (Indonesien/Brasilien), Hamlet Lavastida (Kuba) und Aziz Hazara (Afghanistan).

Die KfW Stiftung ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung, die im Oktober 2012 gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, Raum für anderes Denken zu schaffen und Vielfalt in Ökonomie, Ökologie, Gesellschaft und Kultur zu gestalten. Die Förderung kultureller Vielfalt im Bereich Kunst und Kultur ist eine ihrer obersten Prioritäten. Um den interkulturellen Dialog zu unterstützen, bietet die KfW Stiftung Künstler*innen aus Lateinamerika, Afrika, dem Nahen Osten und Asien die Möglichkeit, für zwölf Monate in Berlin zu leben und zu arbeiten und am Internationalen Atelierprogramm des Künstlerhaus Bethanien teilzunehmen.

Für weitere Informationen zur Ausstellung wenden Sie sich bitte an presse@bethanien.de

Für Informationen zum Programm wenden Sie sich bitte an: Daniela Leykam, Programmleiterin Kunst & Kultur, KfW Stiftung info@kfw-stiftung.de

AUSSTELLUNG
19.05. – 12.06.2022
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

ERÖFFNUNG
19.05.2022
19 - 22 Uhr

KÜNSTLERPORTRAIT
Gaëlle Choisne