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Geschichte

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Centrale Anstalt

Kappelle

Die Kappelle der "Central-Diakonissenanstalt"
Bethanien
zu Beginn der 70er Jahre,
heute als Studio I der größte Ausstellungsraum des
Künstlerhauses.
(Foto: Archiv)
"Weitentlegen vom Geräusch der Stadt und nur leider in einer zu kahlen, baumlosen Gegend liegt Bethanien, die seit einigen Jahren errichtete Diakonissenanstalt. Man fährt an einer neuen, im Bau begriffenen katholischen Kirche vorüber und bewundert die großartige Anlage dieses vielbesprochenen Krankenhauses, das sich bekanntlich hoher Protektion zu erfreuen hat." Es ist der preußische König selbst, der Bethanien als Lieblingsprojekt protegiert und es mit einem so großzügigen Etat versorgte, daß Karl Ferdinand Gutzkow das Modellprojekt 1854 mit unverhohlenem Unwillen besichtigte, weil dessen Geist ihm zu "kaltvornehm" schien. Die von Friedrich Wilhelm IV. begründete Anstalt, die Gutzkow mißfiel und deren Architektur er lobte, ist heute weit über Berlin hinaus als Künstlerhaus Bethanien bekannt, obwohl es neben der Künstlerhaus Bethanien GmbH mit ihren Ateliers und Ausstellungsräumen auch das Bezirkskunstamt, eine Musikschule und einige soziale Einrichtungen beherbergt.
1974 jedenfalls sollte das Gebäude abgerissen werden und es hatte seine Gründe, daß Rio Reiser sang, "der Mariannenplatz war blau", denn es war der blaulichtbeleuchtete Widerstand der Hausbesetzer, der das öffentliche Bewußtsein für das Gebäude schärfte und einigen Denkmalschützern den Weg ebnete, für Bethanien neue Nutzungskonzepte zu präsentieren - unter ihnen Michael Haerdter, der Gründungsdirektor der Künstlerhaus Bethanien GmbH.
Unter seiner Leitung übernahm die zeitgenössische Kunst ein bauhistorisches Juwel. Bethanien war 1845 bis 1847 als Central-Diakonissenanstalt und Krankenhaus im Stil der Schinkel-Schule errichtet worden. Die Architekten Friedrich Ludwig Persius, Friedrich August Stüler und Theodor Stein, Schüler Karl Friedrich Schinkels, verbanden Traditionen der Sakralarchitektur mit einem Rationalismus nach Maß und Zahl und schufen ein Gebäude, von dem man nie weiß, ob es schon immer existierte oder ob es das seltsam mathematische Klon von etwas Echterem sei, ein Eindruck der vielleicht auch den Besucher Gutzkow in Verunsicherung stürzte.


Friedrich Wilhelm IV. jedenfalls, dem Friedrich Engels neben einem "unbezweifelt gutmütigen Charakter" und übertriebenen Staatsausgaben "ein vollkommen ausgebildetes System der Romantik" nachsagen konnte, ließ sich für Bethanien eine Art architektonische Staatsvision entwerfen. Die von ihm angestrebte Fusion von Monarchie, Religion und Gesellschaft sollte in der mittelaltersüchtigen Architektur sichtbar werde. Bethanien gibt sich deshalb als wehrhafte Burg des Heiligen Georg, symbolisiert in seinen zwei lanzenförmigen Türmen - Teil des Konzepts der Erneuerung der Diakonie nach dem Vorbild des mittelalterlichen Schwanenordens.

Bethanien und Mariannenplatz 1855
Das Bethanien zu Gutzkows Zeiten -
Stahlstich von 1855 (Reproduktion: Archiv)

Eingangshalle Bethanien
Detail der Einganshalle

Peter Joseph Lenné, Generaldirektor der königlich preussischen Gärten, bettete dieses Ensemble im Zuge seiner Planung der Luisenstadt in den Park von Bethanien ein und legte vor dem Gebäude den Mariannenplatz an. Und es gehört zur kuriosen Geistesgeschichte des Hauses, daß Theodor Fontane mitten im Revolutionsjahr 1848 Bethaniens Apotheker wird.
Inzwischen ist die medizinische Tradition des Hauses beendet und die Künstlerhaus Bethanien GmbH unterhält in dem Gebäude 25 Ateliers, 3 Ausstellungsstudios und ein Medienlabor. Es ist Projektwerkstatt, Veranstaltungsort und Herausgeber einer Serie anspurchsvoller Katalogpublikationen sowie einer Kunstzeitschrift. Das Künstlerhaus hat den kurzen Berlin Mitte Boom überstanden und in den 90er Jahren den Weggang der letzten Kreuzberger Galerie erlebt. Inzwischen hat sich an der Jannowitzbrücke ein zweites Galerienzentrum nur eine S-Bahnstation vom Künstlerhaus entfernt etabliert, und auch Kreuzberg erlebt mit ersten neuen Galerieprojekten eine neue kulturelle Konjunktur - die auch für ein Haus mit so internationaler Ausrichtung wie das Künstlerhaus Bethanien ein günstigeres Umfeld schafft.


Eingangshalle Bethanien
Eingangshalle, Blick aus dem Obergeschoß
auf den Eingang zum Studio I


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25.03.2010
Eröffnung/Opening:
Pernille Koldbech Fich
25.03.2010
Eröffnung/Opening:
Michael Kutschbach
18.02.2010
Eröffnung/Opening:
The Touch of History
18.02.2010
Eröffnung/Opening:
Wafae Ahalouch el Keriasti

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