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(Foto: Stefan Müller für Berggruen Holdings GmbH) |
Die Geschichte des Künstlerhauses Bethanien ist eng verbunden mit dem historischen Bethanien, einem architektonisch einzigartigen Gebäudekomplex am Mariannenplatz in Berlin Kreuzberg. Seit 2010 jedoch befindet sich das Künstlerhaus Bethanien an einem neuen Standort, in der Kottbusser Strasse, an der Grenze zwischen den Berliner Bezirken Kreuzberg und Neukölln.
Das Bethanien am Mariannenplatz
"Weitentlegen vom Geräusch der Stadt und nur leider in einer zu kahlen, baumlosen Gegend liegt Bethanien, die seit einigen Jahren errichtete Diakonissenanstalt. Man fährt an einer neuen, im Bau begriffenen katholischen Kirche vorüber und bewundert die großartige Anlage dieses vielbesprochenen Krankenhauses, das sich bekanntlich hoher Protektion zu erfreuen hat." Es ist der preußische König selbst, der Bethanien als Lieblingsprojekt protegiert und es mit einem so großzügigen Etat versorgte, dass Karl Ferdinand Gutzkow das Modellprojekt 1854 mit unverhohlenem Unwillen besichtigte, weil dessen Geist ihm zu "kaltvornehm" schien. Genutzt wurde das einzigartige Gebäude nach seiner Errichtung als Diakonissenanstalt und Krankenhaus. Es gehört zur kuriosen Geistesgeschichte des Hauses, dass etwa Theodor Fontane mitten im Revolutionsjahr 1848 Bethaniens Apotheker wird. 1970 endete aber die medizinische Tradition des Hauses, das Krankenhaus wurde stillgelegt.
1974 sollte das Gebäude abgerissen werden und es hatte seine Gründe, dass Rio Reiser sang, "der Mariannenplatz war blau", denn es war der blaulichtbeleuchtete Widerstand der Hausbesetzer, der das öffentliche Bewusstsein für das Gebäude schärfte und einigen Denkmalschützern den Weg ebnete, für Bethanien neue Nutzungskonzepte zu präsentieren - unter ihnen Michael Haerdter, der Gründungsdirektor der Künstlerhaus Bethanien GmbH.
Unter seiner Leitung übernahm die zeitgenössische Kunst ein bauhistorisches Juwel, das Künstlerhaus Bethanien wurde ein lokal wie international renommiertes und anerkanntes Produktions- und Ausstellungshaus. Im Rahmen von Stipendienprogrammen konnten bis heute über 950 Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt das Künstlerhaus nutzen. Neben dem eigentlichen Künstlerhaus Bethanien, seinen Büro-, Atelier- und Ausstellungsräumen, fanden auch andere Projekte wie die Druckwerkstatt des BBK und der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien Platz unter den Dächern des Gebäudes am Mariannenplatz.
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Friedrich Wilhelm IV.
dem Friedrich Engels neben einem "unbezweifelt gutmütigen Charakter"
und übertriebenen Staatsausgaben "ein vollkommen ausgebildetes System
der Romantik" nachsagen konnte, ließ sich für Bethanien eine
Art architektonische Staatsvision entwerfen. Die von ihm angestrebte Fusion
von Monarchie, Religion und Gesellschaft sollte in der mittelaltersüchtigen
Architektur sichtbar werde. Bethanien gibt sich deshalb als wehrhafte
Burg des Heiligen Georg, symbolisiert in seinen zwei lanzenförmigen
Türmen - Teil des Konzepts der Erneuerung der Diakonie nach dem Vorbild
des mittelalterlichen Schwanenordens.
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Das Bethanien zu Gutzkows Zeiten -
Stahlstich von 1855 (Reproduktion: Archiv) |
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(Foto: Stefan Müller für Berggruen Holdings GmbH) |
Das Künstlerhaus Bethanien an der Kottbusser Strasse
Nach der Besetzung des Südflügels des Bethanien durch Linksautonome im Jahr 2005 und nach 35 arbeits- und ereignisreichen Jahren am Kreuzberger Mariannenplatz war es für das Künstlerhaus an der Zeit, sich nach einer neuen Bleibe umzusehen. Es galt, neue Räume und Perspektiven zu erobern. Unter der Regie von Christoph Tannert, dem Geschäftsführer der Künstlerhaus Bethanien GmbH seit 2000, und mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin zog das Künstlerhaus Bethanien im Juni 2010 innerhalb von Berlin Kreuzberg um. Der neue Standort befindet sich nun an der Kottbusser Strasse, attraktiv gelegen im qirligen Kiez zwischen Kreuzberg und Neukölln. Der Gebäudekomplex umfasst etwa 10.000 Quadratmeter, die durch die Nicolas Berggruen Holdings GmbH 2008 erworben und saniert wurden. Neben dem Künstlerhaus Bethanien sind hier mehrere Büros aus der Kreativindustrie und Kleingewerbe zu finden.
Die Künstler und ihre Gäste erwarten am neuen Standort erweiterte Veranstaltungsflächen, eine größere Anzahl von Ateliers, eine verbesserte Werkstattsituation samt der damit verbundenen Ausweitung des Internationalen Atelierprogrammes.
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(Foto: Georg Schroeder für Künstlerhaus Bethanien GmbH) |
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