 Sophia Tabatadze setzt sich mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen auseinander, die zu oft radikalen Umbrüchen im Lebensumfeld der betroffenen Menschen führen. Sie dokumentiert und reflektiert vor allem die Veränderungen, die die Bewohner ihres Heimatlandes Georgien in der jüngsten Zeit ihrer wechselvollen Geschichte durchlebten. Tabatadzes künstlerische Strategie ist die Verkehrung von ‘innen’ und ‘außen’: Fotos von Häuserfassaden werden zur Innenraumdekoration, Abbildungen menschlicher Organe fügen sich zum poppigen Tapetenmuster, und eine behaglich eingerichtete Wohnung wird hinter durchsichtigem Plexiglas ganz unbehaglich offen zur Schau gestellt. Tabatadzes Installationen, Videoarbeiten und Performances erzählen voll feiner Ironie von der Diskrepanz zwischen Form und Inhalt, Fassade und Interieur – kurz: der Diskrepanz zwischen “Schein” und “Sein”, die in unserer Welt eine permanente Realität ist. Obwohl Tabatadzes Werke zumeist ihr Heimatland thematisieren, beanspruchen sie doch universelle Gültigkeit. Ihr Bezugspunkt und der Interessensschwerpunkt der Künstlerin ist die ‚condition humaine’ in unserem globalen Dorf.
Mit „All My re-Collections“ zeigt Sophia Tabatadze im Künstlerhaus Bethanien Sammlungen alltäglicher Dinge, die sie in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens zusammengetragen hat. Während diese bei Tabatadze ansonsten als Ausgangspunkt des künstlerischen Werkes dienen, werden die unscheinbaren Gegenstände nun selbst zum Thema der Präsentation und lassen so den Prozess sichtbar werden, der zur Entstehung eines Kunstwerks führt.
Sophia Tabatadze ist als Osteuropa-Stipendiatin der Schering Stiftung, Berlin im Künstlerhaus Bethanien zu Gast. (Informationen: http://www.scheringstiftung.de)
Sophia Tabatadze – All My re-Collections
28. November – 14. Dezember 2008, Studio 3
Eröffnung: Donnerstag, 27. November 2008, 19 Uhr
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 Pia Lindmans künstlerische Arbeit reiht sich in die Tradition der minimalistischen Performance und der Gemeinschaftskunst ein und fokussiert dabei insbesondere auf den inhärent performativen Aspekt von Kunstproduktion. Ausgehend von bestimmten ortsspezifischen Sitten und Gebräuchen thematisiert Lindman soziale, politische und ökonomische Gegebenheiten.
„Herr Puntila – spiritual journeys“, das neuste Projekt der Künstlerin, ist eine “partizipatorische Performance, Video und Zeichnungen mit Bezug zum Trinken, zu Wuolijoki und zu Brecht” (Lindman) und macht die Besucher zu Akteuren und zum Bestandteil des Werkes. Ausgangspunkt des Projekts ist das bekannte Theaterstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti", das Brecht 1940 im finnischen Exil gemeinsam mit der bekannten Bühnenautorin Hella Wuolijoki schrieb. Es handelt vom ebenso reichen wie geizigen Großbauern Puntila, der in nüchternem Zustand seine Mit- menschen schlecht behandelt und drangsaliert, der aber im Zustand der Trunkenheit und beim Anblick der majestätischen Schönheit der Natur in einen nahezu ekstatischen Zustand “spiritueller Erkenntnis“ und Näch- stenliebe gerät. Von den diversen Aspekten des Stücks interessiert sich Lindman für die spezielle finnische Art von Trinkkultur, die in Finnland selbst als einzigartig gilt, und deren Ziel der durch Berauschung erzielte Kon- trollverlust ist - die Grundvoraussetzung für eine extreme Stimulation, die etwa bei gleichzeitiger Konfronta- tion mit der Schönheit und Erhabenheit der Natur zu einer nahezu schamanischen Erfahrung werden kann.
Pia Lindman – Herr Puntila-spiritual journeys
28. November – 14. Dezember 2008, Studio 2
Eröffnung: Donnerstag, 27. November 2008, 19 Uhr
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Andreas Tellefsen / Jorinde Voigt / Ralf Ziervogel | + |
 Die von Christoph Tannert kuratierte Ausstellung Tellefsen / Voigt / Ziervogel im Studio 1 des Künst- lerhauses Bethanien ist eine erneute Entdeckungs- tour in Richtung einer Gewissensfindung im zeich- nerischen Universum. Zeichnung hat viele Rollen und wird begleitet von vielerlei Anekdoten. Sie kann als Studie die Malerei oder die Skulptur begleiten, sie kann aber auch als autonomes Kunstwerk oder als ein Instrument des experi- mentierenden Forschens auftreten.
Für Andreas Tellefsen, Jorinde Voigt und Ralf Ziervogel hat das Medium Zeichnung noch eine andere, elementare Bedeutung: sie schätzen die Nacktheit der Zeichnung und den Akt des Zeichnens, der sie selbst in ihrer Lebenszeit verortet. Jede Zeichnung, jede Zeichnungs-Serie steht neben einer anderen. Nichts entsteht als geschlossenes System und steht dabei doch für sich. Nichts läuft auf eine Entwicklungsgeschichte hinaus und dennoch entwickelt sich das Eine folgerichtig auf das Andere hin – in Zeitsouveränität und in einer Alltagskon- stellation, die wir staunend irgendwo in einer bisher nicht entdeckten Galaxie erblicken.
Andreas Tellefsen (*1976 in Norwegen), Jorinde Voigt (*1977 in Frankfurt am Main) und Ralf Ziervogel (*1975 in Clausthal-Zellerfeld) leben und arbeiten in Berlin.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (d/e) mit Texten von Knut Ebeling und Hans-Jürgen Hafner.
Ausstellung und Katalog werden realisiert mit freundlicher Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten.
Andreas Tellefsen / Jorinde Voigt / Ralf Ziervogel
28. November – 14. Dezember 2008, Studio 1
Eröffnung: Donnerstag, 27. November 2008, 19 Uhr
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