Halb sind es die para-
noiden Atomschutz-
architekturen des Kalten Krieges, halb die monströsen Raketensilos
dieser Epoche, an die das Publikum in Lisi Raskins neuer Installation
„Parallel Telegram“ erinnert wird. Nur durch einen Tunnel
läßt sich das Studio 4 des Künstlerhauses betreten,
das den Besucher in einer schwindelerregenden Kunstlichtwelt gefangennimmt
und ihn irgendwo zwischen den Machtwahnphantasien der Supermächte
und den Technologieplanspielen unserer Zeit in Klaustro-
phobie versetzt.
Lisi Raskin hat für diese Erzählung aus dem Science-Fiction-Reich
der Weltuntergangsinge-
nieure über Jahre recher-
chiert. Aufgewachsen in den 80er Jahren mit ihren dauernden Beschwörun-
gen einer atomaren Endzeit, die in Filmen wie „The Day After“
noch beunruhigende Phantasie geblieben war, in der Atomkatastrophe
von Tschernobyl aber beinahe Wirklichkeit wurde, reiste die Künstlerin
bis nach Litauen, um anhand des Atomkraftwerks „Ignalina“
die Hinterlassenschaften des sowjetischen Techno-
logieimperiums zu stu-
dieren. Sie untersuchte auch Bunkeranlagen wie in Kossa und Freudenberg,
die nach dem Beginn des Atomkriegs eine kurze Überlebensverlängerung
inn der nuklearen Wüste gewähren sollten.
In ihrer Berliner Installa-
tion entsteht auf diesen Grundlagen eine Erzäh-
lung von der Ordnung und Einrichtung der Welt an der Schwelle
zur Vernich-
tung. Notausstiegstüren erweisen sich dabei als Fälschungen,
die Notstopp-Vorrichtung, mit der sich der Start eines Marschflugkörpers
noch verhindern ließe als folkloristische Attrappe ohne
Funktion. Es ist ein Wunderland des Allmachtswahns, von dem Lisi
Raskin berichtet, doch es ist überraschend lebensnah den
wirklichen Katastrophen abgeschaut und deshalb ein realistischer
Zerrspiegel unserer Umgebung.
www.artistsspace.org
www.newsgrist.typepad.com
Studio 4, 1. – 17. Juli 2005, Mittwoch
- Sonntag, 14 - 19 Uhr, Eröffnung: Donnerstag, 30. Juni 2005,
19 Uhr
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All jenen unter uns, die Vernissagen nur wider-
willig besuchen und vor dem dort vorherrschenden Mehrkampf aus sozialem
Imponiergehabe und kunstbetrieblicher Selbst-
vermaktung am liebsten in die Einsiedelei flüchten würden,
hat der japani-
sche Künstler Shiro Masuyama eine hilfreiche Fluchtstatt geschaffen.
An einer Bar bietet er Besuchern neun Sitzplätze ohne Kommunikations-
zwang an. Durch hölzerne Wände wie mit Scheu-
klappen isoliert, vom Publikum hinter Vorhängen verborgen
und vom Barkeeper durch Rauch-
glas getrennt, kann der Kunstkonsument seine Getränke auf
Formularen bestellen und sich mit Kopfhörern auch akustisch
vor seiner Umwelt retten.
Masuyama "Parky Party"-
Installation kehrt so ein Unterhaltungsangebot um, das seit geraumer
Zeit zum festen Bestandteil der künstlerische Betriebs-
kultur geworden ist. Kaum eine Großausstellung kommt noch
ohne Künst-
lerbar aus. Was jedoch vor einigen Jahren noch eine Gegenstrategie
zum reinlichen und weltfrem-
den Kunstsystem war, ist inzwischen längst zum Spiegelbild
seines Unterhaltungszwangs geworden.
"Parky Party" ist eine Analyse dieser Verhält-
nisse und liefert zugleich eine Analyse der Teilöf-
fentlichkeit "Kunstaus-
stellung". Die Verteidigung des Privaten inmitten der Öffentlichkeit
ist ein Generalthema Masuymas. Im Künstlerhaus gerät
diese Reflexion urbaner Selbsterhaltung zugleich zum Serviceangebot
an das Publikum.
"Parky Party" ist am Eröffnungsabend und anlässlich
der Finissage am 17. Juli von 14 bis 19 Uhr als interaktive Installation
in Betrieb.
www.shiromasuyama.net
Studio 2, 1. – 17. Juli 2005, Mittwoch
- Sonntag, 14 - 19 Uhr, Eröffnung: Donnerstag, 30.
Juni 2005, 19 Uhr |
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Ronnie van Houts künstlerische
Originalität speist sich aus seiner Selbstironie und dem abgründigen
Witz, mit dem er so humorresistente Gegenstände wie Identitätsfindung,
kulturelle Zugehörigkeit und die Suche nach individueller Verwirklichung
demontiert. Oft erscheinen seine Installationen wie verzerrte Selbstporträts
des Künstlers, der in seinen Arbeiten in vielerlei Form erscheint.
So widmet sich van Houts Installation im Studio 3 des Künstlerhauses
der Erinnerung und demonstriert an einem Augenblick seiner eigenen
Kindheit, wie sich die eigene Geschichte keineswegs als Faktenschilderung
abrufen lässt, sondern durch die Ablagerungen der zwischenzeitlich
erworbenen Gefühle und Prägungen gefiltert wird. Die Erinnerung,
die er in seiner Arbeit illustriert, ist in Wahrheit nur ein Ersatz.
Van Hout liebt nicht nur Heavy Metal, Body Snatcher und Zombiefilme,
sondern auch Elvis-Imitatoren und Becketts „Warten auf Godot“.
Das Publikum darf also eine Mixtur bizarrer Gestalten und Konstellationen
erwarten, die ihm als "Ersatz" angeboten wird.
"'Ersatz' mit seinen tatsächlichen Objekten stellt sich
als 'armseliges' Substitut der Wirklichkeit dar; van Hout versucht
aber, mit einem Teil seines Schrotthandels-
warenhauses schlechter Erinnerungen Ausgleich anzubieten."
(Statement des Künstlers)
Studio 3, 1. – 17. Juli 2005, Mittwoch
- Sonntag, 14 - 19 Uhr, Eröffnung: Donnerstag, 30. Juni 2005,
19 Uhr
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