Die Ausstellung PAINTING AS PRESENCE / This is not a love song wendet sich an den neugierigen Besucher, der daran interessiert ist, parallel zur BERLIN BIENNALE Malereipositionen mit ganz unterschiedlichen Bezügen und unterschiedlicher Herkunft kennenzulernen, die jedoch mehrheitlich in Berlin entstanden sind.
PAINTING AS PRESENCE möchte ausschnitthaft das gemeinsame Interesse schwedischer, dänischer, finnischer, deutscher, polnischer und spanischer Künstler am Malstofflichen und am Eigenwert des Malerischen exemplifizieren. Die Ausstellung verweist auf das So-Sein des Phänomens Malerei, durchaus auch unter Einschluss gewisser medienkritischer Elemente.
Der Untertitel "This is not a love song" ist dabei als Absage an das schwelgerische „romantische Glotzen“ zu verstehen. Die Ausstellung operiert insofern nicht mit dem Narrativ-Literarischen, sondern geht vielmehr eine Verbindung mit einem (pop)kulturell kühlen und distanzierten Ansatz ein, wie er etwa von der legendären Band PIL verfolgt wurde.
PAINTING AS PRESENCE knüpft darüber hinaus an einen Text und eine Ausstellung der Kuratoren Mika Hannula und Kari Immonen (veröffentlicht durch NIFCA, Helsinki, 2002) an, die bereits damals einem "erweiterten" Begriff von Malerei benutzten, um sowohl Prinzipien der Langsamkeit, des eingefrorenen Zeitintervalls sowie des Hineingreifens in den Raum zu verdeutlichen.
Die Inszenierung von Wirklichkeit und die über die Malhaut tastbare Präsenz, die Wirklichkeit der Malerei erweitern im Ping-Pong-Verfahren das "Realismus"-Problem und helfen, "Realismen" (im Sinne der Darstellungstechnik) von "Realitäten" zu trennen.
Painting as Presence / This is not a love song, Studio 1, 24.03 – 23.04.2006,
Eröffnung: Donnerstag, 23. März 2006, 19 Uhr
|
|
Sollten Sie sich der Kunst zugewandt haben, weil Naturwissenschaft nie Ihre Stärke war, bekommen Sie nun eine zweite Chance auf ein leidenschaftlicheres Verhältnis zur Physik. Michel de Broins Ausstellung im Künstlerhaus Bethanien ist eine unterhaltsame Lehrvorführung über den 2. Hauptsatz der Thermodynamik und wie sich aus physikalischer Einsicht mehr Freiheit gewinnen lässt.
Hatte Rudolf Clausius noch 1865 pessimistisch konstatiert, es sei kein Kreisprozess ohne Reibungsverluste denkbar und damit zum Beispiel den Beifall von Max Planck gefunden, so strebt de Broin voller Optimusmus nach einer Umkehrung der Entropie. Er will genau jene Zustandsgröße umkehren, mit der Physiker das absinkende Energieniveau eines Systems beschreiben und damit ein nicht nutzbares Potential in einen positiven Wert verwandeln.
De Broin, ein Experte für Widerstandsmetaphern, tritt mit diesem Konzept der 'reversen Entropie' nicht nur der Melancholie der modernen Physik entgegen, er will vor allem dem dikatorischen Kreislauf des Profitstebens und der aus ihm resultierenden Ausbeutung ein Ende setzen. "Wie die Sonne, die ihre Energie ausstrahlt und verteilt, ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen, ist diese von der Arbeit befreite Energie eine Art des Loslassens," erklärt der Künstler, "so etwas wie Freizeit oder Ferien, eine Befreiung, die nicht wieder rückgängig zu machen ist."
Diesen utopischen Anspruch illustriert de Broin im Künstlerhaus unter anderem mit Hilfe eines um einen Auspuff ergänzten Fahrrades, aus dem beim Treten Dampf entweicht. In zwei Installationen und einer Serie von Zeichnungen wird selbst Nicht- Quantenmechanikern deutlich, wie sich der Urlaub vom Reibungsverlust denken lässt – oder dass die Sozioökonomie unserer Gesellschaft am Ende kein Perpetuum Mobile sein wird.
Reverse Entropy, Studio 2, 24.03 – 09.04.2006,
Eröffnung: Donnerstag, 23. März 2006, 19 Uhr
|
|
Für Yoshiaki Kaihatsu ist Kunst nicht Objekt, sondern Interaktion. Sie lässt sich benutzen, fordert zum Dialog heraus, kann sich in Dienstleistungen verwandeln und macht dem Publikum Angebote. Kaihatsus Rezipient ist Nutzer, nicht nur Betrachter. So verhält es sich auch mit seinem Projekt im Künstlerhaus Bethanien.
Dort wird Kaihatsu als Betreiber und Berichterstatter eines fiktiven Fernsehsenders auftreten. In Studio 3 errichtet Yoshiaki Kaihatsu zu diesem Zweck eine Kabine ohne Tür und Fenster, die als Aufnahmestudio dient und in die der Künstler nur von oben mittels einer Leiter gelangt. Die Geschehnisse in Kaihatsus ‘Studio’ werden von einer Kamera direkt auf im Raum platzierte Monitore übertragen, vor denen das Publikum ein ganz eigenes Modell medialer Realitäts- konstruktion erleben wird.
Zusätzlich im Raum ist eine Tischtennisplatte installiert. Ob der Künstler aus dem Aufnahmeraum heraus die Tischtennisturniere der Besucher kommentieren wird und welcher weiteren Programm- entwicklung das Sendekonzept unterzogen wird, bleibt offen.
Am Eröffnungs- abend findet unter dem Motto Coffee & Milk & Sugar eine Tischtennis- Performance mit Yoshiaki Kaihatsu, Yukihiro Taniguchi und Norio Takasugi statt.
Development TV, Studio 3, 24.03 – 09.04.2006,
Eröffnung: Donnerstag, 23. März 2006, 19 Uhr
Live Performance im Ausstellungsraum: Am Eröffnungsabend, am 24., 25. und 26. März sowie am 8. und 9. April.
|
|