Claire Healys und Sean Cordeiros Installationen sind von irritierend methodischer Eigenart. Sie gleichen in ihren akrbibischen Dekonstruktionen fast schon kunstökonomischen Laborexperimenten und verstoßen so gegen das Dogma der schönen Kunst, ein Werk dürfe sich nicht beliebig reproduzieren lassen. So hatten Healy und Cordeiro schon 2003 den Modellfall ihres gemeinsamen Projekts geschaffen als sie ein Holzhaus aus einem Vorort Sydneys in gleich große Einzelteile zerlegten und bis unter die Decke des Ausstellungsraums zu Stapeln aufschichteten. Ihr Material, ein Abrisshaus, erfuhr so einen rapiden Wertzuwachs. Der künstlerische Zerstörungsakt machte aus der baufälligen Behausung ein Artefakt, dem sich erst nach seiner Destruktion die kunstbetriebstaugliche Autonomie zuschreiben ließ.
Die Berliner Installation "flatpack" überträgt dieses Verfahren nun auf ein mobileres Heim. Aus einem westlich der Havel gegelenen beschaulichen Vorort des gehobenen Mittelstandes überführten sie einen unlängst noch bewohnten Wohnwagen ins Studio 2 des Künstlerhauses, sauber in Transportfolie frei Haus auf Paletten verpackt und zuvor in exakt gleich große Teile demontiert. Das in den 60er Jahren gefertigte Gefährt, Sinnbild des deutschen Traums vom transportablen Wohnzimmeridyll, wird hier in die kühle Welt globalisierter Packmaße und Containernomen überführt. Mehr aber noch wird ein Stück mobilen Heimatideals mit nüchterner Automatik in ein Kunstwerk transformiert.
flatpack (zusammen mit/together with Sean Cordeiro), Studio 2, 12.05 – 28.05.2006,
Eröffnung: Donnerstag, 11. Mai 2006, 19 Uhr
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Bei Erla Haraldsdóttir, könnte man sagen, wird unser Alltag verrückt. Mit Hilfe digitaler Bearbeitungen, Collagen und anderer medialer Verfremdungen lässt sie das Vertraute so befremdlich erscheinen, dass dem Publikum die Verlässlichkeit seiner Wahrnehmung zweifelhaft wird. Attribute und Bilder völlig gegensätzlicher Welten verschmelzen zu einer solchen Nahtlosigkeit, dass die Illusion selbst erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, bis dem Publikum am Ende eine verfremdete Welt vor Augen steht.
In ihrer Arbeit "Sad with Satie", die sie als Videoprojektion zur Vorführung bringt, lässt Haraldsdóttir handgefilmte, absichtsvoll autobiografisch wirkende Video-Sequenzen mit animierten Zeichnungen verschmelzen. Die filmische Erzählung oszilliert permanent zwischen gezeichneter Oberfläche und fotografierter Außenwelt, bis am Ende unentscheidbar wird, ob eine fotografisch erfassbare Wirklichkeit von der Zeichnung Besitz ergreift oder die Zeichnung sich einfach an die Stelle dieser Wirklichkeit setzt. Gefilmte "Post it"-Notizen als Protokoll einer unglücklichen Liebe oder eingesprochene Kommentare mit Bekenntnischarakter wechseln sich mit Alltagsfragmenten eines Künstlerlebens ab, während die grosteske, exzentrische und zugleich melancholisch-karge Musik Erik Saties das filmische Geschehen färbt.
"Sad with Satie ist ein komisches, selbstironisches und verstörendes Kunstwerk, das den Wunsch, authentische emotionale Erfahrungen überhaupt darstellen zu wollen, hinterfragt."
(Lisi Raskin, Essay zu Sad with Satie)
Sad With Satie, Studio 3, 12.05 – 28.05.2006,
Eröffnung: Donnerstag, 11. Mai 2006, 19 Uhr
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Das Berliner Kunstpublikum und die Kreuzberger Anwohner warten weiter auf ein Konzept der Künstlerhaus- Besetzer. Während die Mehrheit der Besetzer längst in einem ehemaligen Schulgebäude Zuflucht genommen hat, das der Bezirk Kreuzberg- Friedrichshain ihnen großzügig abgetreten hatte, harrt eine versprengte Splittergruppe weiterhin komfortabel im Südflügel des Künstlerhauses am Mariannenplatz aus.
Ohne je ein substantielles Nutzungskonzept vorgelegt zu haben, geben sich die Besetzer und ihr legaler Arm - die "Initiative Zukunft Bethanien" (IZB) - dabei volkstümlich und stadtteilnah. Ihre "Arbeit" sei ein Angebot an ganz Kreuzberg, die Berliner Migranten und unzählige weitere Adressaten. Das die Anwohner vom Mariannenplatz die IZB inzwischen sogar in Flugblättern kritisieren und sich eher für eine aktivere Vermittlung der bereits etablierten Kulturanbieter interessieren, ficht die Besetzer nicht an. Sie proklamieren weiterhin die bewährten Tugenden der Stadtteilkultur, für die es in Kreuzberg seit Jahren Dutzende Angebote gibt. Alter Wein wird in neue Schläuche gefüllt. Selten stand dafür so viel mietfreie Grundfläche zur Verfügung.
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