KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Ausstellung

Das Mechanische Corps

Auf den Spuren von Jules Verne

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Alexander „Steampunker“ Schlesier, Steamborg Helm, 2013; Courtesy Alexander Schlesier

Alexander „Steampunker“ Schlesier, Steamborg Helm, 2013; Courtesy Alexander Schlesier

Karl Hans Janke, Trag-Gas-Kugel-Kessel, 1953; Courtesy Rosengarten e.V.

Karl Hans Janke, Trag-Gas-Kugel-Kessel, 1953; Courtesy Rosengarten e.V.

Am Beginn des 21. Jahrhunderts mit einer extremen Beschleunigung und Erweiterung der Informationsdichte und globalen Kommunikation, zeigt sich in der Bildenden Kunst, in Mode und Design, in Literatur, Film und Comic ein ästhetischer Rückgriff auf die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Gleichzeitig miniaturisiert sich die technische Welt, Nanowissenschaften und autonome Maschinen werden immer sicherer als zukünftige dominante Entwicklungen betrachtet. Ein Paradoxon der zivilisatorischen Entwicklung entsteht, dass die Kuratoren PETER LANG und CHRISTOPH TANNERT im Projekt DAS MECHANISCHE CORPS mit Hilfe der Kunst und Nichtkunst hinterfragen. Woraus resultiert die Faszination für die Ästhetik der alten Maschinen, für das damit symbolisierte Einfache und, von heute aus gesehen, Langsamere? Was drückt ein solches Weltverhältnis heute aus, das Verbindungen sucht zum Traumhaften und Unglaublichen?

Präsent ist dabei stets die Welt Jules Vernes. Der Autor schuf mit über 60 Romanen Zukunftsvisionen, die, geprägt von der Industrialisierung und Globalisierung, neuartige Weltbilder hervorbrachten. Seine Vision von „Paris im 20. Jahrhundert“ hielt er für so gewagt und den Zeitgenossen nicht zumutbar, dass er sie im Safe verschloss. Gedruckt wurde sie erst 1994. Diese Vorstellungen rufen heute ästhetische Rückgriffe hervor. Zum einen schlüpfen Protagonisten wie die Steampunks in viktorianische Kostüme, stellen mit großem Aufwand schwere mechanische Geräte in Handarbeit her, ummanteln diese mit antiquierten Hüllen und geben ihnen so eine verloren geglaubte Aura technischer Geräte zurück. Zum anderen fahren auf Pariser Modenschauen analoge Dampf-lokomotiven mit Pullmann-Wagen ein und neueste Science-Fiction-Filme verwenden Raumschiffdesigns, die an genietete U-Boote wie die des Kapitän Nemo erinnern. Mit den Mitteln der Ästhetik wird an einem retardierenden Moment geschraubt und allen Protagonisten geht es darum, einen Zwischenbereich der Weltsichten aufzutun, Vergangenes mit Heutigem in Beziehung zu setzen und neu zu gewichten.

Die Ausstellung durchbricht die Scheinliberalität des Kunstsystems und verknüpft Disparates – Elemente von High und Low, von Hochkultur und Populärkultur, Kunst und Kitsch. Werke der Bildenden Kunst werden kombiniert mit Werken von Outsidern, Industriegegenständen, Kunsthandwerk, Mode, Design, Comics und Filmen. Vermischt werden Wertesysteme, Zeitebenen und Medien in der Hoffnung, dem Publikum einen Reflexionsgewinn und Wege zur Erkenntnisvermehrung zu offerieren.

PETER LANG (*1963, Leipzig) lebt seit 1982 in Berlin. Studium der theoretischen Physik an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Studium der Kulturwissenschaft/Ästhetik und Theaterwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin. Seitdem tätig als freischaffender Kurator, Kunstkritiker, Autor und Herausgeber.

CHRISTOPH TANNERT (*1955, Leipzig), lebt seit 1976 in Berlin. 1976-1981 Studium der Klassischen Archäologie und Kunstwissenschaft an der Humboldt Universität zu Berlin. Seit 2000 Künstlerischer Geschäftsführer und Projektleiter Bildende Kunst am Künstlerhaus Bethanien Berlin.

Die Ausstellung und der Katalog wurden aus den Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und mit freundlicher Unterstützung des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten realisiert.

Zur Eröffnung spielt die Band SONS OF KEMET aus London. Beginn 20 Uhr.

KÜNSTLER: Yoshi Akai, ATAK, Roland Boden, Jean-Pierre Bouvet, James Capper, Wendy Esmeralda Castillo, Jos de Vink, Stefan Fahrnländer, Eric Freitas, Roland Fuhrmann, Andreas Gerth, Gregor Hildebrandt, Karl Hans Janke, Thomas Kellner, Yunchul Kim, Alicja Kwade, Peter Langer, Via Lewandowsky, Florian Mertens, Gustav Mesmer, Moebius, Richard „Doc“ Nagy, Nik Nowak, Donna Ong, Panamarenko, Michael Sailstorfer, Alexander Schlesier, Henrik Schrat, François Schuiten, Amanda Scrivener, Steam Noir, Haruo Suekichi, Philip Topolovac, Gerard van Lankveld, Brecht Vandenbroucke, Viron Erol Vert, Takashi Watabe, Bert Wrede, Ralf Ziervogel

 

 

AUSSTELLUNG
06.06. – 03.08.2014
Di - So: 14 - 19 Uhr
Eintritt frei

ERÖFFNUNG
05.06.2014
19 Uhr