KÜNSTLERHAUS

BETHANIEN

Künstler

Katharina Löfström

Schweden

Wenn vielleicht die Paarung eines filmischen Bildes von einem Fußballspiel mit der gemischten Akustik einer gegen die Hitze ankämpfenden Klimaanlage, eines sich diesem Kampf anschließenden Kühlschranks, dem Eigengeräusch eines alternden, koreanischen Fernsehers und, ganz im Hintergrund und wirklich kaum wahrnehmbar, sehr lauten Schreien irgendwie an Godard denken lässt, so kann die filmische Desinformation wie sie bei Katarina Löfström vorkommt, das zeichenlose, verworrene und dennoch strukturierte Gewaber von Formen und Farben in Trance auslösenden Wiederholungsschleifen, genau die gegenteilige Wirkung haben: nicht das Bild erfährt sein akustisches Détournement, sondern bei Löfström ist es die Musik, die man sieht und die dadurch ihrer dunklen Welt entwendet wird.

Man sieht in die Musik hinein und es scheint so, als läge hier den Noten analog eine neue Musikschrift vor, eine entfernt mengenlehrenartige Schrift, die genauso ist wie Musik und die sich genauso einer Beschreibung widersetzt. Was der heilige Augustinus von der Zeit sagt, dass sie einem jeden vollkommen vertraut sei, dass keiner jedoch sie dem anderen zu erklären vermöge, dies gilt auch für die Musik im allgemeinen und besonders für Löfströms visuelle Musik, in der sie die Streifen, Blasen und Farben tanzen lässt.

(Auszug aus: Carsten Höller, Katarina Löfström, in: GREYSCALE/CMYK, NIFCA, Helsinki, 2002.)